Casa Verde – Peru

Das Projekt Casa Verde Cuzco in Peru

Eine Kurzbeschreibung

Heim für Mädchen und weibliche Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in Cuzco/Peru. Die IKJH – Internationale Kinder- und Jugendhilfe e.V. unterstützt das Projekt Casa Verde Cuzco seit 2012.

Ziel des Projekts ist es, für Mädchen im Alter zwischen 3 und 18 Jahren, die von ihren Eltern verlassen wurden, oder den unterschiedlichsten Form physischer, psychischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren, ein neues Zuhause zu schaffen sowie ihnen eine schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen.

Neben der schulischen und beruflichen Ausbildung, die den Kindern eine Basis für ein selbständiges Leben verschaffen soll, steht dabei die Gewährleistung der Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, medizinische Versorgung und menschliche Nähe im Vordergrund. Ebenso wird den Mädchen die Möglichkeit gegeben, die teilweise traumatisierenden Erlebnisse unter fachlicher Hilfe aufzuarbeiten.

Im Rahmen der Projektarbeit lebten im Jahr 2017 mittlerweile 17 Mädchen im Projekt, die von den Staatsanwaltschaften oder Jugendämtern aus Cuzco und Umgebung dem Projekt zugeleitet wurden. Zukünftig soll das Projekt weiter ausgebaut werden um mehr als 20 Mädchen betreuen zu können.

Die monatlichen Kosten des Projektes werden derzeit von der IKJH e.V., der Peru-Hilfe Kraichgau e.V., dem Freundes Kreis Cusco Köln und dem Freundes Kreis Cusco Grettstadt finanziert.

Die Situation vor Ort – Hintergründe

Peru – Eklatante Kluft zwischen Arm und Reich

Das im westlichen Südamerika gelegene Peru grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik. Peru hat ein gelenktes Wirtschaftssystem, das in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Die Folge: vor allem nordamerikanische Konzerne und europäische Firmen beherrschen den Markt. Dabei kommt es teilweise zu monopolartigen Zuständen. Erwähnt sei beispielsweise die dominierende Stellung spanischer Firmen im Telekommunikationsbereich. 2006 unterzeichnete Peru ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA. Das Land ist reich an Bodenschätzen, vor allem Gold und Kupfer, die jedoch durch internationale Konsortien ausgebeutet und exportiert werden. Zusätzliche Wirtschaftsfaktoren sind Fischerei und Landwirtschaft – hier vor allem Zuckerrohr und Kaffee – sowie in zunehmendem Maße auch der Tourismus in den Anden und im Regenwald im Osten des Landes.

Wie in zahlreichen anderen Ländern Südamerikas gibt es auch in Peru eine eklatante Kluft zwischen der armen, meist indigenen Bevölkerung und den reichen Großgrundbesitzern. Immer wieder tritt diese Spaltung der Gesellschaft in Streiks, Unruhen und Protesten offen zutage. Die Infrastruktur ist in den Metropolen auf einem annehmbaren Niveau, doch lässt sie schon in deren Randgebieten sehr zu wünschen übrig. In ländlicheren Gebieten fehlt sie fast völlig. Abseits der Hauptverkehrsrouten sind die meisten Straßen nicht asphaltiert und besonders in der Regenzeit häufig unpassierbar.

Eine schulische und berufliche Ausbildung, sauberes Wasser und ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen gehören in Peru keineswegs zur Alltäglichkeit, so dass das Land immer noch nicht auf die Hilfe der Industrienationen verzichten kann. Unter den Lebensbedingungen im Land leiden vor allem die Schwachen der Gesellschaft – die Kinder und Jugendlichen. Ihnen muss darum besondere Hilfe zuteil werden.

Cusco: Faszinierende Inka-Hauptstadt und unkontrollierbare Armut

Cusco (auch Cuzco) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Der Überlieferung nach wurde die Gegend bereits in grauer Vorzeit von Quechua-Indianern bewohnt. Cusco liegt auf 3.416m Seehähe und hat ca. 320.000 Einwohner. Die Stadt hat eine extrem wechselvolle Geschichte – sie war Hauptstadt des Inkareichs, erlebte Brandschatzung und Verwüstung durch die spanischen Eroberer und wurde mehrfach durch verheerende Erdbeben zerstört. Die erhalten gebliebenen Inka-Ruinen und die Innenstadt mit ihren Inkamauern und Kolonialbauten wurden 1983 durch die UNESCO zum Welterbe erklärt. Auch seine Lage inmitten einer grandiosen Andenlandschaft und die Nähe zur sagenumwobenen Inkastadt Machu Picchu haben aus Cusco einen Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt gemacht.

Das moderne Cusco präsentiert sich gerne als Tourismus-Metropole. Unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten hat die Stadt jedoch wegen ihres unkontrollierbaren Wachstums aufgrund einer nicht abreißenden Landflucht, wegen immer weiter anwachsenden Slums und durch eskalierende soziale Brennpunkte eine eher traurige Berühmtheit erlangt.

Nach wie vor leben in den Großstädten Südamerikas – wie auch in Cusco – viele Kinder auf und von der Straße oder haben als „arbeitende Kinder“ keinen Zugang zu einer schulischen und beruflichen Ausbildung.

Meist stammen die betroffenen Kinder aus armen Familien, die aufgrund des kargen Lebens auf dem Land in die Stadt geflohen sind. Viele Kinder werden aber auch von ihren Familien in die Stadt geschickt, da sie ihre Familie auf dem Land nicht mehr ernähren könnte.

Da dort die Situation aber meist auch nicht besser ist, müssen die Kinder für ihren eignen Lebensunterhalt sorgen und/oder zu dem ihrer Familien beitragen. Dies tun sie als Schuhputzer, Verkäufer von Süßigkeiten, Postkarten etc. oder – was vor allem die Mädchen betrifft – als Haushaltshelferinnen. In allen Fällen bleiben Schule und Berufsausbildung dabei auf der Strecke. Vor allem Mädchen sind zusätzlich noch von sexuellen Missbrauch betroffen. Die Kinder sehen meist einem Leben ohne Zukunftsperspektiven entgegen und können ohne schulischer und berufliche Ausbildung der Armutsspirale nicht entkommen.