Mantay – Peru

Das Projekt Mantay in Cusco – Peru

Eine Kurzbeschreibung:

Heim für schwangere Mädchen und junge Mütter sowie deren Kinder in Cuzco/Peru. Die IKJH – Internationale Kinder- und Jugendhilfe e.V. unterstützt das Projekt Mantay seit dem Jahr 2002.

Um bedürftigen Kindern und Jugendlichen, deren Situation oft genug noch durch sexuellen Missbrauch verschärft wird, zu helfen, gründeten drei Spanierinnen im Jahr 2000 das Projekt Mantay in Cusco.

Dieses Heim für schwangere Mädchen und minderjährige Mütter aus armen Verhältnissen, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden, ist mittlerweile Zufluchtsort für jeweils 10 bis 20 Mädchen mit ihren Kindern. Ohne Hilfe wären die Mädchen mit ihrer schwierigen Mutterschaft überfordert, so kann jedoch Schlimmeres, wie z.B. die Aussetzung der Kinder, verhindert werden.

 

Ziel des Projekts Mantay ist es, schwangeren Mädchen und jungen Müttern zu helfen, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden sowie aus armen Verhältnissen stammen. Aufgrund ihres Alters, ihrer Armut oder ihrer traumatischen Erlebnisse sind die Mädchen mit den Anforderungen einer Mutterschaft überfordert. Die Gefahr, dass sie ihre Kinder aussetzen, ist groß.

Im Rahmen der Projektarbeit erfolgt die Aufnahme der Mädchen in das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Familiengericht der Stadt Cuzco. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen steht zunächst eine mentale und psychologische Betreuung der Mädchen im Vordergrund. Neben einem Zuhause, Nahrung und Kleidung erhalten die jugendlichen Mütter eine Grunderziehung in Sexualkunde, Kinderbetreuung, Gesundheit und Hygiene.

 

Durch die Fortsetzung der schulischen Ausbildung und das Erlernen traditionellen Kunsthandwerks in eigenen Werkstätten soll während des Aufenthalts im Projekt die Basis für eine spätere Selbständigkeit der jungen Frauen geschaffen werden. In Zusammenarbeit mit den Justizbehörden wird gegebenenfalls versucht, die Täter zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Seit der Gründung des Projekts im Mai 2000 konnten mehr als 164 jungen Mütter und deren Kindern erfolgreich geholfen werden (Stand Ende 2017). Derzeit leben 14 junge Mütter und Frauen mit ihren Kindern in dem Heim. Ebenso werden in einem projekteigenen Kindergarten Kinder von Müttern betreut, die das Projekt bereits verlassen haben, um diesen zu ermöglichen einer Berufstätigkeit nachzugehen.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt hauptsächlich durch Gruppen aus Spanien und Italien sowie regionale Einrichtungen. Die IKJH unterstützt das Projekt seit 2002. Durch den Verkauf der Produkte, die in den projekteigenen Werkstätten hergestellt werden (Handtaschen, Lederartikel, Kunsthandwerk etc.), kann ein Teil der Projektkosten gedeckt werden.

Für mehr aktuelle Informationen, Impressionen, Bilder und Berichte besuchen Sie gerne das Projekt Mantay auch auf Facebook (LINK zu Facebook) oder auf der Projekt-Webpage (LINK zur Homepage).

 

Die Situation vor Ort – Hintergründe

Peru – Eklatante Kluft zwischen Arm und Reich

Das im westlichen Südamerika gelegene Peru grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik. Peru hat ein gelenktes Wirtschaftssystem, das in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Die Folge: vor allem nordamerikanische Konzerne und europäische Firmen beherrschen den Markt. Dabei kommt es teilweise zu monopolartigen Zuständen. Erwähnt sei beispielsweise die dominierende Stellung spanischer Firmen im Telekommunikationsbereich. 2006 unterzeichnete Peru ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA. Das Land ist reich an Bodenschätzen, vor allem Gold und Kupfer, die jedoch durch internationale Konsortien ausgebeutet und exportiert werden. Zusätzliche Wirtschaftsfaktoren sind Fischerei und Landwirtschaft – hier vor allem Zuckerrohr und Kaffee – sowie in zunehmendem Maße auch der Tourismus in den Anden und im Regenwald im Osten des Landes.

 

Wie in zahlreichen anderen Ländern Südamerikas gibt es auch in Peru eine eklatante Kluft zwischen der armen, meist indigenen Bevölkerung und den reichen Großgrundbesitzern. Immer wieder tritt diese Spaltung der Gesellschaft in Streiks, Unruhen und Protesten offen zutage. Die Infrastruktur ist in den Metropolen auf einem annehmbaren Niveau, doch lässt sie schon in deren Randgebieten sehr zu wünschen übrig. In ländlicheren Gebieten fehlt sie fast völlig. Abseits der Hauptverkehrsrouten sind die meisten Straßen nicht asphaltiert und besonders in der Regenzeit häufig unpassierbar.

Eine schulische und berufliche Ausbildung, sauberes Wasser und ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen gehören in Peru keineswegs zur Alltäglichkeit, so dass das Land immer noch nicht auf die Hilfe der Industrienationen verzichten kann. Unter den Lebensbedingungen im Land leiden vor allem die Schwachen der Gesellschaft – die Kinder und Jugendlichen. Ihnen muss darum besondere Hilfe zuteil werden.

 

Cusco: Faszinierende Inka-Hauptstadt und unkontrollierbare Armut

Cusco (auch Cuzco) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Der Überlieferung nach wurde die Gegend bereits in grauer Vorzeit von Quechua-Indianern bewohnt. Cusco liegt auf 3.416m Seehähe und hat ca. 320.000 Einwohner. Die Stadt hat eine extrem wechselvolle Geschichte – sie war Hauptstadt des Inkareichs, erlebte Brandschatzung und Verwüstung durch die spanischen Eroberer und wurde mehrfach durch verheerende Erdbeben zerstört. Die erhalten gebliebenen Inka-Ruinen und die Innenstadt mit ihren Inkamauern und Kolonialbauten wurden 1983 durch die UNESCO zum Welterbe erklärt. Auch seine Lage inmitten einer grandiosen Andenlandschaft und die Nähe zur sagenumwobenen Inkastadt Machu Picchu haben aus Cusco einen Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt gemacht.

 

Das moderne Cusco präsentiert sich gerne als Tourismus-Metropole. Unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten hat die Stadt jedoch wegen ihres unkontrollierbaren Wachstums aufgrund einer nicht abreißenden Landflucht, wegen immer weiter anwachsenden Slums und durch eskalierende soziale Brennpunkte eine eher traurige Berühmtheit erlangt.

 

Die Situation der Kinder

Nach wie vor leben in den Großstädten Südamerikas – wie auch in Cusco – viele Kinder auf und von der Straße oder haben als „arbeitende Kinder“ keinen Zugang zu einer schulischen und beruflichen Ausbildung.

Meist stammen die betroffenen Kinder aus armen Familien, die aufgrund des kargen Lebens auf dem Land in die Stadt geflohen sind. Viele Kinder werden aber auch von ihren Familien in die Stadt geschickt, da sie ihre Familie auf dem Land nicht mehr ernähren könnte.

Da dort die Situation aber meist auch nicht besser ist, müssen die Kinder für ihren eignen Lebensunterhalt sorgen und/oder zu dem ihrer Familien beitragen. Dies tun sie als Schuhputzer, Verkäufer von Süßigkeiten, Postkarten etc. oder – was vor allem die Mädchen betrifft – als Haushaltshelferinnen. In allen Fällen bleiben Schule und Berufsausbildung dabei auf der Strecke. Vor allem Mädchen sind zusätzlich noch von sexuellen Missbrauch betroffen. Die Kinder sehen meist einem Leben ohne Zukunftsperspektiven entgegen und können ohne schulischer und berufliche Ausbildung der Armutsspirale nicht entkommen.